Der bekannte amerikanische Prediger Moody kam in eine Stadt im US-Bundesstaat Ohio. Man hatte ihn eingeladen, im dortigen Gefängnis zu predigen. Als er eintraf, standen ihm 1100 Gefangene gegenüber, zu denen er sprechen sollte.
Vor Beginn der Versammlung erzählte ihm der Gefängnisdirektor von einem Ereignis, das sich einige Jahre zuvor in demselben Saal zugetragen hatte. Der Direktor und seine Mitarbeiter hatten den Gouverneur gebeten, fünf Gefangene zu begnadigen, sofern sie sich in den kommenden sechs Monaten durch besonders gutes Verhalten auszeichneten. Der Gouverneur hatte zugestimmt, allerdings unter der Bedingung, dass bis zum Tag der Begnadigung niemand davon erfahren dürfe.
Nach Ablauf der sechs Monate wurden die Gefangenen — es waren mehrere Hundert — zusammengerufen. Die gesamte Gefängnisleitung war anwesend. Als verkündet wurde, dass fünf Häftlinge begnadigt worden seien, ihre Namen aber noch nicht verlesen waren, herrschte in dem großen Saal Totenstille. Jeder hoffte, seinen eigenen Namen unter den Begnadigten zu hören. Man kann sich leicht vorstellen, was geschah, als die Namen genannt wurden: Die Begnadigten waren von Freude überwältigt und weinten. Doch es waren nur wenige. Die übrigen Hunderte erfuhren keine Begnadigung und mussten in Haft bleiben.
So ist menschliche Begnadigung. Wie viel größer ist dagegen Gottes Vergebung!