Es wird gesät.
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Es wird gesät · Beitrag Nr. 331

Sünde — Beitrag Nr. 331

Zusammengestellt von Jakow Lewen · Ausgabe 2001 · Originalseite 123

Wer Dostojewskis Roman ‚Schuld und Sühne‘ gelesen hat, erinnert sich daran, wie das Gewissen Rodion Raskolnikow quälte, nachdem er die alte Pfandleiherin und ihre Schwester Lisaweta ermordet hatte. Das Bewusstsein seines Verbrechens ließ ihn nicht zur Ruhe kommen.

Sein erwachtes Gewissen verfolgte Raskolnikow auf Schritt und Tritt. Es trieb ihn zur Verzweiflung, beinahe zum Selbstmord. Doch Gott wollte, dass der unglückliche Student vom Wunder der Auferweckung des Lazarus durch Jesus Christus hörte. Ausgerechnet Sonja Marmeladowa, eine verarmte ‚Straßendirne‘, las ihm das elfte Kapitel des Johannesevangeliums vor: „Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das? Sie sagte zu ihm …“ Als müsse sie schmerzlich Atem schöpfen, las Sonja langsam und eindringlich weiter, als verkündigte sie selbst vor aller Welt: „Ja, Herr! Ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt.“

Dann las Sonja von dem großen Wunder der Auferweckung und dem neuen Leben, das Lazarus von Jesus Christus empfangen hatte.

„Da glaubten viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was der Herr getan hatte, an ihn …“

„Auch er, der Verblendete und Ungläubige, auch er wird jetzt hören und glauben! Ja, jetzt, in diesem Augenblick!“, hoffte Sonja und zitterte vor freudiger Erwartung. Sonja Marmeladowa täuschte sich nicht. Gottes Wort hat große Kraft. Raskolnikow kam zum Glauben und bereute in seinem Herzen. Alles in ihm wurde weich, und Tränen strömten hervor. Kaum war er aufgestanden, sank er zu Boden. Mitten auf dem Platz kniete er nieder, beugte sich bis zur Erde und küsste den schmutzigen Boden mit Wonne und Glück. Er stand auf und verneigte sich ein zweites Mal. Raskolnikow bekannte seine Sünde vor Gott, vor der Obrigkeit und vor der ganzen Welt. Wer sich nicht gefürchtet hat zu sündigen, soll sich der Reue nicht schämen. Nur auf diesem Weg öffnete sich dem dem Tod verfallenen Raskolnikow ein neues Leben. Auch wenn es durch die Verbannung nach Sibirien führte, war es nun ein Leben aus Gott, neu und befreit.

„Das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden“ – das ist der Lobgesang der wiedergeborenen Seele.

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