Es wird gesät.
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Es wird gesät · Beitrag Nr. 462

Liebe — Beitrag Nr. 462

Zusammengestellt von Jakow Lewen · Ausgabe 2001 · Originalseite 181

»Bis jetzt habt ihr um nichts in meinem Namen gebeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen sei.« (Joh 16,24)

Während des amerikanischen Bürgerkriegs meldete sich der einzige Sohn eines Bankiers zur Armee der Union. Der Vater hatte ihn nicht daran gehindert, in den Krieg zu ziehen, doch die Trennung traf ihn schwer. Er nahm regen Anteil am Schicksal der jungen Soldaten. Jedes Mal, wenn er einem jungen Mann in Uniform begegnete, dachte er voller Sorge an seinen eigenen Sohn. Er vernachlässigte seine Geschäfte und widmete seine ganze Zeit und sein Geld der Pflege der Soldaten, die verwundet heimkehrten. Seine Freunde warfen ihm vor, dass er darüber seine Geschäfte vernachlässige und den Soldaten zu viel Zeit widme. Schließlich beschloss er, seine Hilfe für die Verwundeten einzustellen.

Eines Tages kam ein Soldat in abgetragener Uniform in seine Bank. An Gesicht und Händen sah man, dass er gerade aus dem Lazarett gekommen war. Der junge Mann suchte in seiner Tasche nach etwas. Der Bankier glaubte zu wissen, was er wollte, und sagte:

»Mein Lieber, heute bin ich zu beschäftigt und kann nichts für Sie tun. Wenden Sie sich bitte an das Hauptquartier. Dort werden sich die Offiziere um Sie kümmern.«

Der Verwundete rührte sich nicht von der Stelle, als hätte er ihn nicht verstanden. Er suchte weiter in seinen Taschen. Endlich zog er einen schmutzigen Papierfetzen heraus, auf dem ein paar Zeilen mit Bleistift standen, und legte ihn zerknittert vor den Bankier.

»Lieber Vater, das ist einer meiner Kameraden. Er wurde im letzten Gefecht verwundet und ins Lazarett gebracht. Bitte nimm ihn auf, wie du mich selbst aufnehmen würdest. Dein Karl«, stand in dem Brief.

Im selben Augenblick änderte sich die Haltung des Bankiers. An die Stelle der Gleichgültigkeit traten Anteilnahme und aufrichtige Sorge. Er nahm den jungen Mann in sein stattliches Haus auf, gab ihm das Zimmer seines Sohnes und einen Platz am Familientisch. Er behielt den Verwundeten bei sich, bis Ruhe und Liebe das Ihre getan hatten und er wieder ganz gesund war.

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