In einem Sanatorium in den Schweizer Bergen saß ein Gast allein in seinem Zimmer. Er war aus der lauten, stickigen Hauptstadt gekommen, um wieder zu Kräften zu kommen und inmitten der herrlichen Natur Ruhe zu finden. Doch hier war er schwer erkrankt. Schon am Morgen hatte der Arzt ihm offen gesagt:
»Seien Sie auf alles gefasst …«
Ein Angestellter des Sanatoriums brachte dem Kranken Frühstück, doch die Angst vor dem nahen Tod schnürte ihm das Herz zu. Er hatte Gottes Dasein nie bestritten und vielleicht aus Gewohnheit zu ihm gebetet. Nun stand er an der Schwelle zur Ewigkeit und sollte diesem »unbekannten« Gott begegnen.
»Sagen Sie mir wenigstens ein tröstendes Wort. Beten Sie mit mir«, bat er den Angestellten.
Der fand nach langem Suchen ein Evangelium unter seinen Sachen und brachte es dem Kranken. Er wusste selbst nicht, wie er beten sollte, aber der Kranke bat ihn so eindringlich, dass er schließlich niederkniete. Er betete so innig wie nie zuvor. Lange und beharrlich flehte er den Retter an, den Sterbenden zu trösten und seine Seele vor dem ewigen Verderben zu bewahren.
Noch am selben Abend starb der Kranke in tiefem Frieden. Der Angestellte war von jenem Tag an ein anderer Mensch.