Ein Dieb drang in die Wohnung einer Witwe ein und versteckte sich unter ihrem Bett, um sie in der Nacht zu berauben.
Als die Witwe am Abend nach Hause kam, sah sie Männerfüße unter dem Bett hervorragen. Sie setzte sich an den Tisch, schlug die Bibel auf und begann, Psalm 91 laut vorzulesen: „Wer unter dem Schutz des Höchsten wohnt, ruht im Schatten des Allmächtigen. Er sagt zum Herrn: Meine Zuflucht und meine Festung, mein Gott, auf den ich vertraue! Er wird dich aus der Schlinge des Jägers retten und vor der tödlichen Seuche. Mit seinen Federn wird er dich bedecken, und unter seinen Flügeln wirst du geborgen sein. Seine Treue ist Schild und Schutz. Du wirst dich nicht fürchten vor dem Schrecken der Nacht, vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt …“
Beim Hören dieses Psalms hielt der Räuber es nicht länger aus. Er kam aus seinem Versteck und bekannte, dass er die arme Witwe hatte berauben wollen. Die Worte der Heiligen Schrift, von der er zuvor nie etwas gehört hatte, bewegten ihn dazu, sich Gott zuzuwenden. Er fand bei ihm Vergebung, ließ sein früheres Leben hinter sich und wurde ein neuer Mensch des Himmelreichs.
Psalm 91 entspricht Psalm 90 in der Zählung der russischen Vorlage.