Der fromme König Alfons I. regierte im 12. Jahrhundert in Aragón, einem früheren Königreich im Nordosten Spaniens. Mit Trauer beobachtete er, wie viele seiner Höflinge sich immer weiter von Gott entfernten, leichtsinnig und herzlos wurden. Unter anderem fiel ihm auf, dass keiner von ihnen Gott dankte, wenn er sich zu Tisch setzte, wie es üblich gewesen war. Er beschloss, ihnen eine Lehre zu erteilen.
Eines Tages lud er alle zu einem Festmahl ein. Kaum wurde aufgetragen, begannen die jungen Leute zu essen, ohne auch nur daran zu denken, die Hände zu falten und den Kopf zum Gebet zu senken. Wie erstaunt waren sie, als plötzlich ein Mann in Lumpen den Saal betrat, sich an den Tisch setzte und sofort zu essen begann! Die verblüfften Höflinge sahen zum König. Sie zweifelten nicht daran, dass er den Frechen streng zurechtweisen würde, der sich an der königlichen Tafel so ungeniert benahm, während sie selbst so sorgfältig auf gute Umgangsformen achteten. Schließlich äußerten sie laut ihre Empörung.
„Was für ein ungezogener, unverschämter Mensch!“, sagten sie. „Wie kann der König ein solches Benehmen dulden?“
„Ach, das Verhalten dieses Menschen kommt euch seltsam vor. Aber euer eigenes ist kein bisschen besser!“, rief der König. „Ihr handelt genauso wie er. Ich habe keinen von euch Gott für seine Gaben danken sehen. Ihr habt gegessen, ohne an den zu denken, der euch euer tägliches Brot gibt!“