Auch die Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen in Syrien bestätigen verschiedene Angaben, die in der Bibel erwähnt werden.
Die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts erklärte die Berichte der biblischen Autoren für Fantasie. ‚Legenden, dazu noch entstellt‘, sagten die Gelehrten und schenkten den biblischen Texten nicht die gebührende Beachtung.
Doch in unserem Jahrhundert kamen buchstäblich aus der Erde Funde hervor, und es kommen weitere hinzu, die vieles aus den biblischen Berichten bestätigen. Ein Beispiel sind die Ausgrabungen in Ur in Chaldäa. Der Ort dieser antiken Siedlung wurde zufällig entdeckt.
Während des Ersten Weltkriegs bemerkte der englische Offizier Campbell Thompson an diesem Ort einen vierstufigen Turm, einen Zikkurat, und meldete seinen Fund den Wissenschaftlern. 1923 begann eine britisch-amerikanische Expedition mit den Ausgrabungen. 1929 kam Ur in Chaldäa, von dem die Bibel spricht, unter dem Sand hervor. „Dies ist die Geschichte Terachs: Terach zeugte Abram, Nahor und Haran. Haran zeugte Lot. Haran starb vor seinem Vater Terach im Land seiner Geburt, in Ur in Chaldäa. Und Terach nahm seinen Sohn Abram und seinen Enkel Lot, den Sohn Harans, und zog mit ihnen aus Ur in Chaldäa fort, um in das Land Kanaan zu gehen“ (1. Mose 11,27–28.31).
In keiner anderen Stadt Mesopotamiens fand man so große und vor allem so komfortable Häuser wie in Ur in Chaldäa. Selbst die Häuser Babylons wirken daneben bescheiden. Man baute mehrstöckige Wohnhäuser mit jeweils dreizehn bis vierzehn Zimmern. Es gab Becken und Treppen aus Ziegeln sowie unter den Treppen sorgfältig verborgene Toiletten mit Wasserkanalisation. Man fand gewaltige Mengen von Tonscherben, viele Haushaltsgegenstände und wissenschaftliche Tafeln aus gebranntem Ton mit mathematischen Formeln, etwa zum Ziehen von Quadrat- und Kubikwurzeln.
Neben religiösen Tafeln mit Götterhymnen und liturgischen Formeln wurden zahlreiche historische und diplomatische Texte gefunden, sogar Wörterbücher und Lehrbücher anderer, uns größtenteils unbekannter Sprachen. Sie bezeugen eine hochentwickelte Zivilisation in Ur. Die Stadt liegt hundertneunzig Kilometer von Basra entfernt, nahe dem Persischen Golf, inmitten einer endlosen Ebene mit gelbbraunem Sand. Vor viertausend Jahren aber gab es dort vermutlich fruchtbare Felder und Gemüsegärten, Obstgärten und Palmenhaine.
Ein System von Bewässerungskanälen durchzog das Land in alle Richtungen. Der Golf reichte damals wahrscheinlich weiter ins Landesinnere hinein, nahe an Tigris und Euphrat.
Wie die Forscher feststellen konnten, unterhielt Ur bereits dreitausend Jahre vor unserer Zeitrechnung Handelsbeziehungen mit den Bewohnern des Industals und möglicherweise auch mit dem ältesten, vordynastischen Ägypten.
Interessant ist auch, dass man in Ur Spuren einer Flut entdeckte. Bei den Ausgrabungen durchstießen die Archäologen mehrere obere Kulturschichten – so nennt man Schichten mit Spuren menschlicher Anwesenheit – und gelangten zu einer ‚unberührten Schicht‘ ohne solche Spuren. Der Grabungsleiter Professor Woolley wollte die Arbeiten schon einstellen. Doch plötzlich tauchten unter der Schwemmschicht wieder menschliche Spuren auf: Scherben von Gefäßen, die ohne Töpferscheibe gefertigt worden waren, und Steinwerkzeuge. Diese Überreste waren mit Sand und Schlamm vermischt und bezeugten ihre Herkunft aus der Zeit vor der Flut. Die Ausdehnung der Flut lässt sich daraus natürlich nicht bestimmen. Dennoch hat es eine Flut gegeben. Das Gilgamesch-Epos und der biblische Bericht darüber haben somit eine Grundlage.
Im Gilgamesch-Epos und in der Bibel wird die Flut als allumfassend und weltweit beschrieben. Vielleicht ging damals auch Atlantis unter.
Manche Kleinigkeiten aus Ur sind äußerst interessant. Erhalten blieben etwa Spielwürfel aus Elfenbein mit vertieften Zahlmarkierungen, Kinderspielzeug, eine Art Kegel, Siegel mit Tier- und Pflanzenbildern sowie noch unentzifferten Schriftzeichen, Scheren, Messer und andere Gegenstände. Selbst Angelhaken wurden gefunden, deren Form sich in den vergangenen fünftausend Jahren kaum verändert hat. „Wenn Abram aus Ur in Chaldäa auszog“, meint Dr. Woolley, „bedeutet das, dass er dort geboren wurde und lebte. Dann war er keineswegs der umherziehende Schafhirte, als den man ihn früher darstellte.“
Die Ausgrabungen in Ur und seiner Umgebung dauern an und können uns noch viele neue, unerwartete Entdeckungen bringen.
Dieser Text gibt den historischen Forschungsbericht und die Deutungen der Buchvorlage wieder; die Gegenwartsform bezieht sich auf deren Entstehungszeit.