In der Lebensgeschichte des heiligen Makarios von Ägypten wird erzählt, wie er einmal mit einem jungen Novizen in die Wüste ging. Der Weg führte bergauf. Der Schüler war seinem alten Lehrer vorausgeeilt und begegnete hinter einer Biegung einem heidnischen Priester.
»Aus dem Weg, Diener des Teufels!«, rief ihm der Hitzkopf zu.
Der Priester geriet in Zorn und schlug den jungen Mann mit seinem Stock nieder. Der Novize fiel bewusstlos zu Boden. Hinter der nächsten Biegung begegnete der Priester Makarios selbst. Der wartete nicht darauf, dass der andere ihn grüßte, sondern sagte von sich aus:
»Gott helfe dir, mein lieber Bruder! Gott schenke dir einen guten Weg!«
Der Priester war verblüfft, denn er wusste, dass Makarios Christ war.
»Ich bin doch ein Heide! Warum nennst du mich Bruder? Eben erst habe ich deinen Schüler mit meinem Stock niedergeschlagen. Wünschst du mir jetzt immer noch einen guten Weg?«
»Jetzt erst recht, denn du gehst auf einem schlechten Weg, dem Weg des Zorns und der Rache. Ich nenne dich Bruder, weil wir alle denselben Schöpfer haben. Wir gehören ihm und sind untereinander Brüder.«
In der Welt behandeln Menschen einander grob und grausam. Die höhere Kraft der Güte und der Liebe, der Sanftmut und der behutsamen Fürsorge für den Nächsten, kennen sie nicht. Diese Kraft muss ihnen gezeigt werden. Mit diesem Auftrag sendet der Retter seine Jünger in die Welt.
»Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe …« (Mt 10,16)