Manche Stürme des Lebens treffen uns plötzlich: tiefes Leid, eine schwere Enttäuschung, ein niederschmetternder Misserfolg.
Andere ziehen langsam auf. Sie erscheinen am Rand des Horizonts, werden allmählich größer, bedecken den ganzen Himmel, und schließlich scheint uns das Unglück unerträglich.
Doch in den Stürmen bereitet Gott uns auf den Dienst vor. Wenn Gott eine Eiche braucht, pflanzt er sie in ein Tal, in dem Stürme toben und der Regen peitscht. Im nächtlichen Ringen mit den Naturgewalten werden ihre Fasern fest. Sie gewinnt die Kraft, die sie zur Königin des Waldes macht.
Wenn Gott einen treuen, bewährten Menschen braucht, schickt er ihm einen Sturm. Die Geschichte eines echten Menschen ist stets hart, sein Weg steinig. Mitten im Sturm wird er gestählt und findet die Antwort auf das wunderbare Gebet: „Gott, nimm mich an, zerbrich mich und gestalte mich neu!“
Ein französischer Maler schuf ein Bild. Darauf versammelte er Redner, Philosophen und Märtyrer: Menschen, die in den unterschiedlichsten Lebensbereichen Großes erreicht hatten. Bemerkenswert an dem Bild war, dass jeder, der in seiner Begabung zu Größe gelangt war, sich zuvor im Leiden bewährt hatte.
Im Vordergrund steht Mose, dem das verheißene Land versagt blieb. Neben ihm befindet sich Homer, der sich blind vorantastet, und auch Milton ist da, blind und mit gebrochenem Herzen. Dann erscheint die Gestalt Christi, die alle anderen überragt. Worin liegen die besonderen Züge seiner Gestalt? „So entstellt war sein Gesicht, mehr als das irgendeines Menschen, und seine Erscheinung, mehr als die der Menschenkinder!“ (Jesaja 52,14.)
Der Maler hätte das Bild „Der Sturm“ nennen können. Die Natur bezaubert nach einem Sturm mit besonderer Schönheit. Die schroffen Berge mit ihren Abgründen haben nach einem Unwetter ihren eigenen Reiz. Ebenso werden die Helden des Lebens in Stürmen geboren und tragen Wunden und Narben, die ihnen die Kämpfe des Lebens zugefügt haben.
Du, meine Seele, bist von den Stürmen und Orkanen des Lebens erschüttert worden. Haben sie dich im Tal zurückgelassen, zerschlagen, erschöpft und gebrochen? Oder haben sie dir geholfen, reicher, tiefer und gefestigter zu reifen? Hast du durch diese Erfahrungen gelernt, mehr mit denen mitzufühlen, die vom Sturm getroffen und in den Kämpfen verwundet wurden?