Es gibt eine Legende von einem König, der beschloss, mitten unter seinem Volk dessen gewöhnliches Leben zu führen. Er legte Krone und königliche Gewänder ab und zog die Kleidung eines einfachen Bauern an. Dann verließ er den Palast, ging in ein Dorf und klopfte an die erste Tür.
„Könnt ihr mir Essen und Unterkunft geben?“, fragte der König. „Ich werde es euch mit meiner Arbeit bezahlen.“
Die Frau dachte: Der Mann sieht kräftig und arbeitsfähig aus. Ich werde meinen Mann fragen; ich glaube, er wird einverstanden sein. Sie lief fort und kam bald zurück.
„Mein Mann ist bereit, Sie aufzunehmen“, sagte sie. „Aber Sie werden viel arbeiten müssen.“
Der König war einverstanden und wurde zum Helfer des Bauern. Tag für Tag arbeitete er mit ihm und den anderen Bauern. Niemand erkannte den König in ihm.
Eines Tages kamen königliche Soldaten ins Dorf. Sie suchten einen Mann, der Trauben aus dem königlichen Weinberg gestohlen hatte. Es war der Bauer, bei dem der König arbeitete.
„Warum habt ihr ihn verhaftet?“, empörte sich der König. „Was hat er denn getan?“ Die Soldaten erkannten ihren Herrscher in dem armen Arbeiter nicht und antworteten grob: „Was geht dich das an? Dieser Mann ist ein Dieb und verdient Strafe!“
Zu ihrem großen Erstaunen antwortete der König: „Ich vergebe ihm. Und wenn er etwas gestohlen hat, werde ich dafür bezahlen.“
Die Soldaten lachten: „Wer bist du denn? Wie kannst du einem Dieb vergeben? Nur der König hat diese Vollmacht.“
„Ich bin der König“, lautete die ruhige Antwort.
Noch lauter lachten die Soldaten. „Du bist der König? Dann beweise es!“
Der König sah sie ruhig an, nahm einen Ring aus der Tasche und zeigte ihn ihnen. Tatsächlich: Es war der königliche Ring! Er war der König und hatte das volle Recht, dem Bauern zu vergeben und seine Schuld zu begleichen. Entsetzen erfasste alle Anwesenden. Sie fielen vor dem König auf die Knie und verneigten sich tief.