Der römische Kaiser Valens befahl, sämtliche Kirchen in Edessa in Mesopotamien zu verschließen und zu versiegeln. Doch die Christen versammelten sich sonntags außerhalb der Stadt zum Gottesdienst. Auf Betreiben von Irrlehrern, den Anhängern des Arius, befahl der Kaiser, alle Rechtgläubigen zu töten. Der Stadtpräfekt warnte sie heimlich vor der Gefahr und riet ihnen, künftig keine Versammlungen mehr abzuhalten.
Am folgenden Sonntag war die christliche Versammlung zu Modestus’ größtem Erstaunen zahlreicher besucht als je zuvor. Der Präfekt erhielt den Befehl, unverzüglich mit Soldaten dorthin zu ziehen und die Anhänger des christlichen Glaubens zu töten. Auf dem Weg durch die Stadt sah er eine arme Frau. Mit ihrem kleinen Sohn auf dem Arm eilte sie aus dem Haus, ließ die Tür unverschlossen und drängte sich hastig durch die Reihen der Soldaten. Modestus ließ sie anhalten.
„Wohin eilst du so?“, fragte der Präfekt.
„Dorthin“, antwortete die Frau, „wo sich die Rechtgläubigen versammelt haben.“
„Weißt du denn nicht, dass ich geschickt worden bin, um alle zu töten, die ich dort antreffe?“
„Ich weiß es“, sagte sie. „Gerade deshalb beeile ich mich: Ich möchte die Gelegenheit zum Martyrium nicht versäumen.“
„Warum nimmst du deinen kleinen Sohn mit?“
„Damit auch er an derselben Seligkeit teilhat“, antwortete die Christin.
Von diesem Mut tief beeindruckt, kehrte Modestus sofort in den Palast zurück und überzeugte den Kaiser, den grausamen Befehl aufzuheben.